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Kompliziert, inkonsequent und ein Ablenkungsmanöver

Von Paula Sardow

Foto eines Mann-Frau-Piktogramms
Foto: Tim Mossholder, pexels.com

Im Fernsehen, in den Zeitungen, in verschiedenen Einrichtungen, beispielsweise in Universitäten und Ämtern, stolpert man beim Lesen bestimmter Begriffe über Sternchen, Unterstriche („Gaps“) oder Doppelpunkte, gefolgt von einem „in“ oder „innen“. Beim lauten Vorlesen werden Kunstpausen eingelegt, und wehe diese fallen dann zu kurz oder zu lang aus, dann liegt der Verdacht nahe, dass sich der Vorleser – oder um es korrekt auszudrücken: die/der Vorleser_in – möglicherweise lustig machen will oder die Ernsthaftigkeit, die dahinter steckt, gar nicht versteht!

Worum geht es? Letztlich handelt es sich um den Versuch, eine geschlechtergerechte Gesellschaft, die ihre Wurzeln in der internationalen Frauenbewegung hat und eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation von Frauen anstrebt, durch Änderungen der Sprache umzusetzen. Mit der Einführung des „Gender Mainstreaming“ als Gleichstellungsstrategie im Jahr 1999, mit dem Bundesgleichstellungsgesetz 2001 und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz 2006, zeigte sich zunächst neben verschiedenen anderen Maßnahmen, die sprachliche Veränderung in der bewussten Ansprache der Frauen durch die Endungen „-in“ oder „-innen“. Es fand eine Feminisierung statt durch die Nennung beider Geschlechter, wo vorher das häufig als rein männlich wahrgenommene generische Maskulinum stand: Wendungen wie „der Kollege“ und „der Polizist“ im Sinne von geschlechtsunspezifischen Bezeichnungen wurden abgelöst durch „die Kolleginnen und Kollegen“ oder „die PolizistInnen“.

Gap, Doppelpunkt und Sternchen, die seit 2018 sichtbar werden, sollen nun auch Menschen berücksichtigen, die sich nicht eindeutig als Mann oder Frau fühlen oder die sich einem dritten Geschlecht zuordnen. In Ämtern, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen werden verfassungskonform biologisch geschlechtsneutrale Substantive gegendert. Die Mainstreammedien haben jeweils ihre Stellungnahme dazu abgegeben und gendern ebenfalls, obwohl es dafür kein Gesetz und keine staatlichen Vorgaben gibt.

Die sprachliche Umsetzung liest sich nicht nur schlecht, sie sieht auch so aus. Die Prozedur erschwerend, gibt es außerdem Begriffe, bei denen die Anwendung der Genderregeln zu krampfhaften, um nicht zu sagen lächerlichen Konstrukten führt, wie Bauer_in, Arzt*in und Gast:in. Oder sollte man schreiben: Bäuer*in, Ärzt_in und Gäst_in?

Bei den drei letztgenannten stellt sich möglicherweise die Frage: „Wo bleibt da der Mann?“ Keine Sorge! Auch hierfür gibt es eine Lösung: Verzichte auf das Wort und umschreibe, was du meinst: Nicht „Raucher“ sondern „Menschen, die rauchen“, nicht „Ärzte“, sondern „Menschen, die ärztlich tätig sind“, statt „Kundinnen und Kunden“ das Wort „Kundschaft“ und Wörter wie „Lehr- oder Reinigungskraft“.

Geschlechtsneutrale Benennungen und Umformulierungen, die durch den Einsatz von „-schaft“, „-kraft“, „-ium“ oder „-ung“ zustandekommen, verhindern wohl die Fettnäpfchen, führen aber zwangsläufig zum Einsatz von Abstrakta und Neutralisierungen, die eine bildliche Vorstellung vom Einzelnen bzw. dem konkreten Gegenüber in der Ansprache verhindern. Was wie eine kleine Nuance daher kommt, führt zur sprachlichen Tilgung geschlechtlicher Vorstellungen. Oder fühlen Sie sich etwa mit den Worten „Liebes Lesepublikum“ oder „Sehr geehrte Versammlung“ persönlich angesprochen?

Der Wille, allen benachteiligten Geschlechtern zu mehr sozialer Gerechtigkeit zu verhelfen, und die damit einhergehenden Versuche, in der Ansprache möglichst ganz auf das Geschlecht zu verzichten, haben noch viele weitere Ideen zur Sprachänderung hervorgebracht (siehe zum Beispiel hier, hier und hier). Die Begründung ist dabei stets dieselbe: Sprache beeinflusst unsere Wahrnehmung und unser Denken, deshalb lässt sich durch Änderungen der Sprache die Einstellung der Menschen zu bestimmten Themen verändern. Dahinter steckt letztlich die Überzeugung, dass die meisten Menschen täglich auf soziale Ungerechtigkeiten hingewiesen werden müssen, um diese zu bemerken. Menschen in höheren Positionen, die faktisch über andere bestimmen, würden dadurch ihre moralische Haltung und ihre damit einhergehenden Handlungen überdenken und die Benachteiligungen abstellen.

Aber seit der rechtlichen Einführung der dritten Geschlechtsoption „divers“ hat sich in sozialer Hinsicht kaum etwas zufriedenstellend geändert, denn die Realität sieht enttäuschend anders aus:

  • Erhalten Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie Männer? — Nein und nein.
  • Gibt es ausreichend kinderfreundliche Lösungen für alleinerziehende Frauen und für Mütter mit Familie? — Nein!
  • Hat die Verarmung alleinerziehender Eltern und älterer Frauen abgenommen? — Nein!
  • Sanken die Zahlen der weiblichen Opfer von Gewalt in den letzten Jahren? — Nein, im Gegenteil.
  • Gibt es weniger Diskriminierung und Gewalt gegen transgeschlechtliche Menschen? — Nein!

Die meisten Menschen dürften allein aufgrund ihrer alltäglichen Belastungen die Unterschiede zwischen Transidentität und Transsexualität nicht kennen und auch nicht wissen, was genderqueer, nonbinärgeschlechtlich und intergeschlechtlich ist. Die Einführung von Sternchen, Gaps und Doppelpunkten zeigt einmal mehr, wie fern von uns Bürgern politische Dinge entschieden werden, die das Leben konkret beeinflussen und letztlich genau zu dem Phänomen führen, das keiner will: Ablehnung und Unverständnis.

Denn eine sprachliche Veränderung, über die aufgrund ihrer komplizierten Anwendung jede/r innerlich stolpert, gegebenenfalls flucht und frustriert ist, wird die Probleme sozialer Ungleichheit jedenfalls nicht lösen. Im Gegenteil, die Wut, die damit einhergehen mag, richtet sich dann wohl eher gegen diejenigen, die man doch eigentlich schützen und stärken wollte.

Die Ursache des Scheiterns solch schöner Ideen liegt auf der Hand: Fraglos im wahrsten Sinne des Wortes werden An- und Verordnungen sowie Gesetze eingeführt und umgesetzt. Das Hauptsymptom unserer heutigen Politiklandschaft sieht so aus, dass uns Bürgern seit geraumer Zeit die Fähigkeit, politische Dinge zu beurteilen, aberkannt wird und uns diese demzufolge schon lange nicht mehr mitgeteilt werden.

Die Medien, deren ureigenste Aufgabe es ist, uns über die politischen Vorhaben und Hintergründe aufzuklären, und für die wir, nebenbeibemerkt, monatlich zahlen müssen (!), speisen uns Bürger mit Sternchen ab und glauben irrtümlicherweise, dass wir es nicht bemerken.

In diesem Sinne: Direkte Demokratie – jetzt!

Dieser Text spiegelt die Ansichten und Ziele einer Einzelperson wider. Er stellt nicht die offizielle Haltung des Landesverbands oder der Gesamtpartei dar. Sachliche Kritik und Gegenmeinungen werden an dieser Stelle gern veröffentlicht.

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